Augustus / Roman von John Williams

9783423146128 „Vater“, fragte ich, „ist es das wert gewesen? Deine Macht, diese Rom, das du gerettet hast, das Rom, das von dir erbaut wurde? Ist es all das wert gewesen, was du getan hast?“ Mein Vater schaute mich lange an, dann wandte er den Blick ab. „Ich muss daran glauben.“, sagte er. „Wir müssen beide daran glauben!“

(„Augustus“, Das Tagebuch der Julia, Pandateria 4 n. Chr.)

Octavius ist 19, sensibel, wissbegierig, und er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu: Ihm, der von schwächlicher Konstitution, aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Friedens zu führen.

Roman-Autor John Williams schildert das Wirken und Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, des späteren Kaisers Augustus, in dramatischen Szenen, so plastisch, so mitreißend, als würden sich die Geschehnisse in unseren Tagen ereignen. Überwiegend fiktive Briefe und Notizen, Erinnerungen und Senatsprotokolle lassen die Person eines Herrschers lebendig werden, dem das Schicksal Macht und Reichtum in vorher ungekanntem Ausmaß zuspielte. Aber er, der sich zum Gott erheben ließ, sieht am Ende, von Frau und Tochter entfremdet, dem Tod so ungeschützt entgegen wie jeder Mensch – als das „arme Geschöpf, das er nun einmal ist.“

oepb Rezension:
Der 1994 verstorbene Autor John Edward Williams schrieb in seinem Leben vier Romane: 1948 – „nothing but the night“; 1960 – „Butcher’s Crossing“; 1965 – „Stoner“ und eben 1972 dieses Meisterwerk „Augustus“.

Der Roman „Augustus“ ist ein Briefroman, dreigeteilt, wobei in den Teilen die Freunde des Augustus, die Frauen in seinem Leben und zum Schluss der gealterte Kaiser selbst das Wort ergreift. Die einzelnen Briefe unterscheiden sich dabei leicht im Ton. Agrippa, Feldherr und Freund Octavians, spricht einfacher – er beginnt seine Sätze oft mit „und“ – als die Dichter Maecenas oder Ovid, die sich auch schon einmal einer etwas – aber nicht viel – poetischeren Sprache bedienen.Der historische Hintergrund ist wirklich spannend, wir befinden uns immerhin in einer der größten Umbruchsphasen in der Weltgeschichte

Williams gelang ein packender Roman über das Leben und Wirken von Augustus, der bei seinem Onkel in die Lehre ging und nach dessen Ermordung erfolgreich dessen Platz einnahm. Caesars Truppen waren auf ihn persönlich eingeschworen und akzeptierten daher lieber dessen Erben als Anführer, als irgendeine andere Partei im römischen Reich, über deren Wohlwollen sie sich nicht so sicher gewesen wären. Überdies erbte Augustus auch das riesige Vermögen seines Onkels und konnte daher die Truppen gut bezahlen, sodass sie ihm bis zur Schlacht von Actium folgten. Bald nahm Oktavian den Namen Caesar an.

Das Buch endet mit dem Tode des Augustus. Trotz aller Macht, aller welthistorischen Bedeutung, allem Reichtum ist sein Ende so banal und trostlos gezeichnet wie das Ende von Jedermann. Er liegt alt und kaputt in einem seiner Paläste, sein Arzt ist um ihn, seine Frau kommt, es gibt ein paar Banalitäten und dann der unspektakuläre Abtritt.

Der Autor weist gleich zu Beginn darauf hin, dass es sich bei den Briefen um Fiktionen handelt. Es könnte sich so abgespielt haben, oder aber eben auch nicht, aber wer weiß das schon so genau? Der Autor genau so wenig, wie die Geschichtswissenschaft.

Für Freunde von Historischen Romanen sehr zu empfehlen!

AUGUSTUS

Roman von John Williams
480 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen
Deutsche Erstaufgabe
Erschienen im dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
www.dtv.de
ISBN: 978-3-423-28089-1
Zum Preis von: € 24,70 (Österreich), € 24,00 (Deutschland), CHF 32,50 (Schweiz)

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