Alles Derby / 100 Jahre RAPID gegen AUSTRIA

Buch-Cover1Gestern Abend wurde in der Buchhandlung Frick in der Wiener Kärntner Straße das mit Spannung erwartete Buch „Alles Derby/100 Jahre RAPID gegen AUSTRIA“ dem zahlreich erschienenen Leser- und Fan-Publikum präsentiert. Der Beginn dieses bis in die heutige Zeit hineinreichenden fußballerischen Bruderkampfes in Wien geht bis auf den 8. September 1911 zurück. Auf dem Prater-Sportplatz traf RAPID auf die eben erst gegründeten Amateure (heutige Austria) und das Spiel war eine einseitige Angelegenheit gewesen. RAPID war in allen Belangen überlegen. Die Spieler der Amateure schienen sich ihrer Rolle als Protagonisten eines wohl historischen Ereignisses nicht bewusst gewesen zu sein, denn sie agierten mit einer „Unlust, die an passive Resistenz grenzte“, wie die „Allgemeine Sport-Zeitung“ damals von diesem Spiel zu berichten wusste. RAPID siegte mit 3 : 0.

Das Derby als solches wurde vom Wiener Publikum damals noch nicht in jener Art und Weise wahrgenommen, wie dies Jahre und Jahrzehnte später, bis in die heutige Zeit hinein, der Fall ist. Als echtes Derby galten vorrangig sportliche Vergleichskämpfe zweier Bezirks-Mannschaften. RAPID versus Amateure ging demnach aufgrund der räumlichen Bezirkstrennung nicht als „echtes Derby“ durch. Nichts desto trotz gilt das Wiener Derby bis in die heutige Zeit als das am zweitmeisten gespielte Fußballderby Europas – nach dem „Old Firm“ zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers in Schottland.

FAK-Legende Ernst Ogris. Foto: oepb

FAK-Legende Andreas Ogris. Foto: oepb

Im Laufe der Zeit zogen 100 Jahre Fußball-Bundesliga in Österreich ins Land und auch die Wiener Fußball-Landkarte hat sich verändert. Viele ruhmreiche Teams von einst gingen in Fusionen auf, verschwanden komplett in der Versenkung oder wurden gar ausradiert und ausgelöscht. Neben Austria und RAPID sind noch die First Vienna FC, der Sportklub, Simmering und der Floridsdorfer AC zu nennen, die sich im Laufe der Jahrzehnte mehr oder weniger erfolgreich über Wasser gehalten hatten. Ein Teil einstmals großer Vereine wurde aus- und abgesiedelt. Admira und Wacker fusionierten 1971 zu Admira/Wacker nach Niederösterreich – heute spricht man ohnehin meist nur mehr von der Admira – den einstens großen Wiener AC gibt es heutzutage gleich gar nicht mehr.

Und so avancierte im Laufe der Jahre eben RAPID gegen Austria zu jenem Duell, das die Stadt Wien in zwei Teile trennte. Einerseits die „Greanen“ aus Wien-Hütteldorf, die seit jeher als Arbeiterverein galten und andererseits, die gutbürgerliche Austria, die feudal im Kaffeehaus residierte und deren Anhänger Kaufmannsleute, Schauspieler und gut betuchte Herrschaften waren.

V.l.: Am Podium: Domenico Jacono, Edgar Schütz, Matthias Marschik, Steffen Hofmann und Andreas Ogris. Foto: oepb

V.l.: Am Podium: Domenico Jacono, Edgar Schütz, Matthias Marschik, Steffen Hofmann und Andreas Ogris. Foto: oepb

Es gibt nichts, was das Wiener Derby in seiner Geschichte nicht erlebt hätte. 2.000 Besucher (30. März 1919) gelten als Negativ-, 64.000 Zuschauer (1. September 1961) als Positiv-Rekord. Einem 7 : 5-Sieg RAPID´s im Herbst 1950 steht ein 6 : 0-Triumph der Austria (Herbst 1969) gegenüber. Hans Krankl erzielte am 12. April 1974 beim 4 : 0-Erfolg RAPIDs sämtliche Tore. Die Sportstätten dieser Austragungen waren in ganz Wien. In Dornbach und Döbling, in Ober-St. Veit und Hütteldorf, im Prater, in Favoriten und in Simmering wurden die Derby-Klingen gekreuzt. Auch außerhalb der Wiener Stadtgrenzen kam es zu diesem Spiel. Bei den seinerzeitigen Oster-Turnieren in Budapest, in Güssing und Wiener Neudorf, in der Südstadt in Maria Enzersdorf und last but not least am 4. Jänner 1925 sogar in Turin. Die Italiener luden beide Vereine zu diesem Spiel, um ein klares Bild darüber zu bekommen, was ein echtes Derby darstellt. 6.000 Zuschauer wohnten damals dieser Begegnung bei. Es kam zu Spiel-Abbrüchen, Neu-Austragungen, Platz-Stürmen der Zuschauer, Pokal-Endspielen, Meisterschafts-Entscheidungen und so weiter … Bis in die heutige Zeit hat „das Spiel der Spiele“ nichts an Spannung und Brisanz verloren.

RAPID-Kapitän Steffen Hofmann. Foto: oepob

RAPID-Kapitän Steffen Hofmann. Foto: oepb

Den Autoren Matthias Marschik, Domenico Jacono und Edgar Schütz gelang somit ein 224seitiges Almanach, das ein großes Kapitel der Österreichischen und Wiener Fußball-Geschichte beleuchtet und abdeckt. Zahlreiche schwarz-weiße und Farbfotos begleiten die fundierten Artikel, Zeitzeugen beider Lager berichten über ihre Erlebnisse und der Werkstatt-Verlag rundete die ganze Sache drucktechnisch in gewohnter Manier ab. Entstanden ist somit dieses hervorragende Werk, das in keiner Fußball-Bibliothek fehlen sollte.

Dazu auch einige Stimmen:

Andreas Ogris (der als violette Ikone gemeinsam mit Dietmar Kühbauer das Cover ziert): „Wien war immer, wenn es zum Derby kam, geteilt. Es ging bereits eine Woche davor mit den Häkeleinen los, dann war das Spiel, und je nach dem, wie es nun ausgegangen war, häkelte der Sieger den Besiegten eine Woche lang. Wenn wir mit der Austria gewonnen hatten, konnten wir stolz durch die Stadt marschieren, ging das Spiel aber verloren, war es am besten, sich zu verkriechen. Für mich waren diese Spiele immer „Das Match des Jahres“.“ Und auf die Frage, ob er jemals daran gedacht hätte, die Fronten zu wechseln. „Ja, es gab einmal ein konkretes Angebot von Grün-Weiß. Ich hörte aber auf mein Herz und blieb bei der Austria.“

Steffen Hofmann, aktueller RAPID-Kapitän:Ich habe in diesem Buch bereits geschmökert und finde es hoch interessant. Als Deutscher lernte ich die österreichische Fußball-Geschichte Zug um Zug kennen, dieses Buch ist ein weiterer Beweis dafür, dass diese Geschichte ereignisreich und erzählenswert war und ist. Ich habe auch in München Stadt-Derbys bestritten, aber der Stellenwert hier in Wien ist bei weitem größer. Ich freue mich immer auf diese vier Begegnungen im Jahr. Und auch ich hatte ein bereits Offert vom Rivalen, sagte aber ab. Es ist wichtig, dass sich die Spieler mit ihrem Verein identifizieren und ihm auch die Treue halten.

Werkstatt-Verlag:Als Deutscher Verlag mit dem Sitz im niedersächsischen Göttingen haben wir uns mitunter auch auf Fußball-Bücher und Vereinschroniken spezialisiert. Gerade das Werk „Das große Buch der Österreichischen Fußballstadien“ – ISBN 978-3-89533-581-5 – war ein Erfolg. Wir sind zuversichtlich, dass auch „Alles Derby“ in die gleiche Kerbe schlägt. Schließlich lernten wir als Deutsche sehr viel von der Österreichischen Fußball-Geschichte und deren Bedeutung hierzulande.

Alles Derby!
100 Jahre RAPID gegen AUSTRIA

Edgar Schütz, Domenico Jacono und Matthias Marschik
224 Seiten, Großformat, zum Preis von EUR 22,90
Hardcover, über 300 Fotos, durchgehend vierfärbig
ISBN 978-3-89533-787-1
 
Zu bestellen bitte h i e r:
www.werkstatt-verlag.de
 
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