Ein Glaserl Sturm in Ehren …

Die Zeit der Trauben ist reif, der Sturm ist da. Mahlzeit! Foto: oepb

Die Zeit der Trauben ist reif, der Sturm ist da. Mahlzeit! Foto: oepb

kann im mit Siebenmeilenstiefeln herannahenden Herbst wohl niemand verwehren!

Der Herbst hat Wien fest in der Hand. Bereits seit Anfang August verfärben sich zahllose Blätter der noch zahlloser angepflanzten Rosskastanien-Bäume schäbig braun, fallen ab und die Miniermotte geht eifrig ihrem Tagwerk nach. So geschehen in der Westeinfahrt der Bundeshauptstadt, als auch in der Prater-Hauptallee und eben überall dort, wo Kastanien-Bäume stehen. Der Sommer ist zu Ende, wenngleich er heuer im wahrsten Sinne des Wortes in Wasser gefallen ist und nicht stattgefunden hat.

Nichts desto trotz bringt die dritte Jahreszeit nicht nur den Schulanfang mit sich, sondern auch eine eigenartig tolle Herbst-Stimmung mit einem Blau des Himmels, das es nur im September zu bestaunen gibt. Die Bäume verwandeln ihr Blätterkleid knallig bunt und bei einem verträumten Spaziergang nimmt man das Knistern der getrockneten und abgefallenen Herbstblätter unter den Füßen wahr. Darüber hinaus lassen erstklassige Köstlichkeiten – wie beispielsweise der saisonale Sturm und eine zünftige Brettljause – keine lukullischen Genüsse unerfüllt. Denn Herbstzeit ist Ausflugszeit, Lesezeit, Genusszeit, Wanderzeit, Radlzeit, Kuschelzeit, Schwammerlzeit, Entspannungszeit und vor allem Sturmzeit.

Im Prater und der Hauptallee verblühten die Bäume, der Herbst ist da und verwandelt alles in üppige Farben. Foto: oepb

Im Prater und der Hauptallee verblühten die Bäume, der Herbst ist da und verwandelt alles in üppige Farben. Foto: oepb

Die Tage werden kürzer und die Nächte länger.

Die Wälder zeichnen sich mit herrlich bunten Farben und auch die letzten Früchte des Erntejahres reifen zu ihrer vollen Pracht. Die Erntezeit beginnt und die heimischen Winzer bereiten sich auf die Belohnung vor, für die das ganze Jahr über hart gearbeitet wurde. In den Weingärten ist der Reifeprozess der Trauben noch im Gange. Die Beeren erhalten nach und nach ihre gewünschte Zucker- und Fruchtreife und leuchten mit ihren grün-saftig bis blauschwarzen Trauben von den Rebstöcken. Eine besonders wichtige Vorarbeit im Sommer ist das Ausdünnen in den Weingärten. Dabei werden noch unreife Trauben von den Rebstöcken zur Qualitätsverbesserung und Ertragsbegrenzung abgenommen. Großteils werden die geschnittenen Trauben am Boden liegen gelassen oder in seltenen Fällen zum Nebenprodukt Verjus verarbeitet. Der feinsäurige Traubensaft erlebt derzeit eine Renaissance in der gehobenen Gastronomie und wird gerne als Alternative zu Essig und Zitronensaft eingesetzt.

Bald werden die Kinder wieder emsig Kastanien sammeln gehen. Der Lainzer Tiergarten in Wien freut sich über jede Abgabe. Foto: oepb

Bald werden die Kinder wieder emsig Kastanien sammeln gehen. Der Lainzer Tiergarten in Wien freut sich über jede Abgabe. Foto: oepb

Stürmisch, stilvoller Herbstgenuss
Während Grüner Veltliner, Riesling, Blauer Zweigelt und Co noch von den warmen Sonnenstrahlen profitieren, werden frühreife Sorten wie Bouvier, Müller-Thurgau, Sylvaner, Blauburger, Blauer Wildbacher und Zweigelt bereits gegen Ende August oder Anfang September für die Produktion des saisonalen Nationalgetränkes, dem Sturm, gelesen. Frühreifende Rebsorten eignen sich hervorragend für das beliebte Herbstgetränk. Der Sturm ist ein sich in Gärung befindlicher Traubensaft, der dem Herbst einen süß-prickelnden Touch verleiht und sich als traditioneller Speisenbegleiter zur deftigen Brettljause oder gerösteten Maroni erwiesen hat. Ob als Sauser, Bremser in Österreich, „Federweißer“ oder „Federroter“ wie er bei unseren deutschen Nachbarn genannt wird, der Sturm muss mindestens ein Prozent Alkoholgehalt haben, um als Sturm zu gelten. Gewöhnlich verfügt er über vier Prozent Alkoholgehalt. Darüber hinaus ist er EU-weit geschützt und darf nur als „Sturm“ bezeichnet werden, wenn die Trauben in Österreich geerntet und verarbeitet wurden.

Sturm – mehr als ein trübes Traubensafterl
Ob G’spritzt, pur, weiß oder rot – der Sturm schmeckt nicht nur gut, sondern ist in Maßen genossen auch noch gesund. Sein hoher Gehalt an Vitamin B1 und B2 unterstützt das Nervensystem und fördert den Stoffwechsel. Darüber hinaus wirkt er sich positiv auf die Darmflora, Haare und Haut aus. Um den natürlichen „Schönheitstrunk“ dementsprechend zu würdigen, sollten die klassischen Trinkmanieren nicht außer Acht gelassen werden: solange der Sturm ungetauft ist, wird beim Anstoßen „Mahlzeit“ statt „Prost“ gesagt und die Gläser werden in der linken Hand gehalten. Erst nach der Taufe sind die üblichen Gewohnheiten erlaubt. Zu guter Letzt sollte man wissen, dass der Sturm aufgrund des Gärgases nicht verschlossen wird, da das entstehende Kohlendioxid Freiraum zum Ausweichen benötigt. Einem stürmischen Herbst steht nun nichts mehr im Wege. Demnach, Mahlzeit!

www.oesterreichwein.at

 

 

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