Zum 70. Todestag – Weltstar Richard Tauber

Richard-Tauber-Portrait

Heute, am 8. Jänner 2018, jährt sich der Todestag Richard Taubers zum 70. Mal. Was aber blieb jedoch vom gebürtigen Linzer (* 16. Mai 1891) in steter und freudiger Erinnerung zurück, der nur knapp 57-jährig in seiner Wahlheimat London am 8. Jänner 1948 aus dem Leben schied?

Richard Denemy, später Tauber, gilt bis in unsere Zeit als der wichtigste Tenor neben Enrico Caruso. Er war der Franz Lehár- und Wolfgang Amadeus Mozart-Interpret der 1920er bis 1940er Jahre. Der spätere Wahl-Berliner liebte die Inszenierung seiner Auftritte, riss dabei die hohen Mauern zwischen E- und U-Musik ein und avancierte zum ersten internationalen Popstar des 20. Jahrhunderts. Richard Tauber prägte wie kein Zweiter das Musikgeschäft der schwierigen Jahre der Zwischenkriegszeit über sein eigenes Wirken hinaus.

Im Haus des Gasthofes “Zum schwarzen Bären” in Linz erblickte Richard Tauber Anno 1891 das Licht der Welt. Foto: Archiv der Stadt Linz

Im Haus des Gasthofes “Zum schwarzen Bären” in Linz erblickte Richard Tauber Anno 1891 das Licht der Welt. Foto: Archiv der Stadt Linz

 

Karl Kraus frohlockte einst in „Die Fackel“ folgendes über ihn: „Richard Tauber verrät schon jetzt, dass das Tauber-Lied der neuen Franz Lehár-Operette den Refrain „Dein ist mein ganzes Herz“ hat. Da muss Europa in Fransen gehen vor Begeisterung.“ In das Leben des viel umjubelten Sängers gesellten sich aber leider auch zahlreiche dunkle Seiten.

Nach der Vertreibung aus Deutschland 1933 verlor er 1938 mit dem „Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland“ seine eigentliche Heimat und wurde somit auch zu einem der zahllosen Opfer der niederträchtigen NS-Propaganda-Maschinerie. „Ich will doch nur singen. Was hat das damit zu tun, dass mein Großvater Jude war?“, ließ er anhand einer Welttournee verkünden und wanderte nach Großbritannien aus. Er sollte nach Österreich und Linz nie mehr wieder kehren.

Der Name Richard Tauber steht demnach nicht für die so genannte gute alte Zeit, in der alles besser war. Vielmehr verbindet man mit ihm finstere Jahre in Europa, Kriegsnot und Pein, Faschismus und verbrannte Erde. Es herrschte eine Zeit, in der Menschen in Deutschland und in Österreich ob ihrer Herkunft verfolgt, gefoltert und auch gemordet wurden.

  Foto: oepb

Im Empfangsbereich des Linzer-Hotels “Schwarzer Bär” ist der große Sohn der Stadt anhand zweier Portraits verewigt. Foto: oepb

 

Es waren die menschenunwürdigen Jahre 1933 bis 1945, in der die Rassezugehörigkeit eines Künstlers über seine dargebotene Kunst gestellt wurde. Der Name Richard Tauber steht jedoch auch für eine lang verloren geglaubte Form der Operette, als diese noch von künstlicher Übertreibung, frivoler Sinnlichkeit, unendlicher Dramatik, anarchistischer Verspieltheit und unbändiger Lebensfreude geprägt war.

 

 

 

 RICHARD TAUBER – eine bedeutende Linzer Stimme

Im Linzer Landestheater schnupperte Richard Tauber, der als „König von Berlin“ in die Geschichte eingehen sollte, zum ersten Mal Theaterluft. Der gebürtige Linzer Richard Tauber, der bis zu seiner Vertreibung im März 1933 in Berlin lebte, war der erste internationale „Popstar“ des 20. Jahrhunderts. Kein anderer Künstler verstand es wie er, weltweit die Massen zu begeistern, die Medien für seine Popularität zu nutzen, ein viel beschäftigter Werbestar zu sein und die Grenzen zwischen U- und E-Musik niederzureißen.

Das Hotel “Zum schwarzen Bären” in der Linzer Herrenstraße Anno 2013. Foto: oepb

Das Hotel “Zum schwarzen Bären” in der Linzer Herrenstraße 11 im Jahre 2016. Foto: oepb

Seine Karriere war seit den frühen 1920er Jahren eng mit Franz Lehár verbunden, der für ihn Lieder wie „Dein ist mein ganzes Herz“, oder „Immer nur lächeln“ komponierte. Gemeinsam schrieben die ungleichen Künstler unter anderem mit „Das Land des Lächelns“ Musikgeschichte.

Beider Leben war dabei mit Oberösterreich verbunden: Lehar mit Bad Ischl und Tauber, der bis 1938 auch immer wieder in Ischl zu Gast war, mit Linz, wo das uneheliche Kid der Soubrette Elisabeth Denemy (d. i. Betty Seifferth) und des Schauspielers Anton Richard Tauber die ersten Jahre seines Lebens verbrachte; beginnend bei Pflegeeltern in Urfahr, ehe er in die Obhut der Mutter kam. Kurz vor seinem 7. Geburtstag verließ Tauber Linz Richtung Salzburg und zog wenig später zum Vater nach Wiesbaden.

Gleich neben dem Hotel-Eingangsportal erinnert eine Gedenktafel an Richard Tauber. Foto: oepb

Gleich neben dem Hotel-Eingangsportal erinnert eine Gedenktafel an Richard Tauber. Foto: oepb

Die Linzer Jahre waren für Taubers Eltern von großer Bedeutung: Hier lernte er bei den Proben der Mutter am Landestheater die Theaterwelt lieben. Hier lehrte ihm die Mutter mit „Das Lied vom Zinnsolaten“ das erste Lied, welches er in seiner Kindheit bei vielen Gelegenheiten vortrug. In Linz wurde er auch in seinem sozialen Wesen geprägt: Wie sich Tauber selbst erinnerte, wollte er seiner Mutter „immer alles recht machen“, damit die den kleinen Richard „recht lieb hatte“. Dieses „Rechtmachenwollen“ seiner Linzer Jahre, damit man ihn liebte, wiederholte er in seinem Leben kontinuierlich und es ruinierte ihn, der einer der bestbezahlten Künstler seiner Zeit war, finanziell.

Richard Tauber verstarb an Lungenkrebs, verschuldet, knapp 57jährig, am 8. Jänner 1948 in seiner dritten und letzten Heimat London, wo er seit dem Anschluss Österreichs an „Hitler-Deutschland“ im Exil lebte. Dies nur wenige Monate nach seinem letzten fulminanten Auftritt (27. September 1947) als „Don Ottavio“ in Mozarts „Don Giovanni“ an der Royal Opera in Covent Garden. Es war dies Taubers 234. – und leider letzter – Staatsopernauftritt.

So berichtet die Autorin Evelyn Steinthaler in ihrer Tauber-BiographieMorgen muss ich fort von hier! Richard Tauber – Die Emigration eines Weltstars.“
Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz gedachte ihrem großen Sohn mit dem Tauberwerg am Froschberg / Auf der Gugl. Foto: oepb

Die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz gedachte ihrem großen Sohn mit dem Tauberwerg am Froschberg / Auf der Gugl. Foto: oepb

Richard Tauber fand am Brompton Friedhof zu London seine letzte Ruhestätte. Eine später angebrachte kleine Tafel unterhalb der Grabplatte – von A. P. Herbert - fördert folgende Inschrift zu Tage:

TAUBER
A golden singer with a sunny heart
The heart´s delight of millions was his art
now that rich, roaring, tender voice beguiles
attentive angels in the land of smiles.

 
 
 
 
 
 
 
 Richard Tauber Homepage:

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Hotel “Zum schwarzen Bär” / Linz

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