50 Jahre KRONE Kickerwahl

Stopperl, so hieß der kleine Kerl, der Mitte der 1980er Jahre durch diese Wahl begleitete. Faksimile Kronen Zeitung

Stopperl, so hieß der kleine Kerl, der Mitte der 1980er Jahre durch diese Wahl begleitete. Faksimile Kronen Zeitung

 

Seit nunmehr bereits 50 Jahren ruft die größte „Kleinformatige“ des Landes – die „Neue Kronen Zeitung – ihre Leser alle Jahre wieder erneut dazu auf, ihre Lieblings-Fußballspieler zu wählen. Das, was im Jahre 1967 quasi als Pilot-Projekt gestartet wurde, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem wahren Highlight in der Winterpause und diejenigen, die am Schluss am Treppchen ganz oben stehen, erhalten nicht nur sehenswerte Pokale, sondern im Rahmen einer feudalen Gala auch noch eine geeignete Plattform für diesen Erfolg.

Fußball ist und bleibt der Volkssport Nummer 1 in Österreich. Trotz der nicht zu verachtenden Erfolge anderweitiger Sportler in deren Sportarten, gerade im Winter, freut man sich doch, wenn es endlich am Rasen, egal, ob dieser weiß oder grün ist, wieder losgeht. Um das schier endlos lange Warten geschickt zu überbrücken, auch dazu dient die Kronen Zeitung „Kicker-Wahl“.

Leopold Grausam war der Debüt-Sieger dieser Wahl im Jahre 1967. Er durfte sich über 6.616 Stimmzettel erfreuen. Im Laufe der Jahre steigerte sich der Erfolgslauf dieser Wahl ebenso wie der Leserkreis des Blattes. Robert Sara beispielsweise wurde 1983 zum beliebtesten Österreichischen Fußballspieler gewählt.

Vorteilhafte Alt-Papier-Container: Dort konnten die jungen Fußball-Fans nach Herzenslust nach alten Kronen-Zeitungen wühlen und aus dem Sportteil den Stimmzettel heraus reißen.        Foto: oepb

Vorteilhafte Alt-Papier-Container: Dort konnten die jungen Fußball-Fans nach Herzenslust nach alten Kronen-Zeitungen wühlen und aus dem Sportteil den hoffentlich noch vorhandenen Stimmzettel heraus reißen.        Foto: oepb

Die Krone-Leser stimmten anhand von unglaublichen 1,129.165 Stimmzetteln für den ehemaligen ÖFB-Team-Kapitän ab. Ein Jahr später knackte mit Peter Pacult noch einmal ein Fußballer mit 1,007.349 Stimmen die Millionen-Schallmauer. Eine bis heute sagenhafte Anzahl an eingesandten Stimmen und Stimmzetteln.

Die Wahl war der Nachbarschaft und dem Freundeskreis dienlich, sofern man Anhänger vom gleichen Verein war. Sobald im Dezember in der Zeitung der Aufruf zur neuerlichen Teilnahme gestartet wurde, bildeten sich auch schon wieder ganze Sammlerkreise, die mit Schere und Kugelschreiber bewaffnet ganze Wochenenden damit verbrachten, ihren Liebling nach vorne zu hieven. Man bündelte die kleine Zetterl, die man aus der Zeitung eifrig ausschnippselte, beschriftete oder bestempelte diese und ab ging es damit zur Post, oder aber gab diese persönlich in einer Krone-Redaktion in den Bundesländern oder aber der Wiener Muthgasse ab.

Der aktuelle Wertungsstand gehörte zur täglichen Pflichtlektüre. Faksimile Kronen Zeitung 15. Feber 1985

Der aktuelle Wertungsstand gehörte zur täglichen Pflichtlektüre. Faksimile
Kronen Zeitung 15. Feber 1985

Die Zählkommandos stöhnten all die Jahre erneut laut auf, als sich herauskristallisierte, dass die Fans bis zum Ende der Wahl zuwarteten, und erst dann die riesigen Stimm-Pakete einsandten. Zahlreiche Postsäcke türmten sich dann in den jeweiligen Sportredaktionen und anhand von Nachtschichten wurden die Stimmen mühsam einzeln und von Hand ausgezählt.

Sehr von Vorteil waren ab den Jahren 1983 und 1984 die allerorts aufgestellten roten Papier-Sammelcontainer. Dort vorbeigehuscht war es ein Leichtes, die alten und ausgelesenen Zeitungen herauszunehmen und nach den begehrten Stimm-Zetteln im Sportteil Ausschau zu halten. Man ärgerte sich lediglich, wenn schon jemand vor einem da war, oder aber wenn das Rote Kreuz die Container kurz zuvor entleert hatte. Aufgrund der Beliebtheit der Krone und auch aufgrund der Tatsache, die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes zu sein – so auch bereits in den 1980er Jahren – war ein Container-Wühl-Trip jedoch stets von Erfolg gekrönt.

Auch Toni Polster ließ es sich nicht nehmen, seinen jungen Anhängern für die emsige Unterstützung während dieser Wahl zu danken. Faksimile Kronen Zeitung 15. März 1985

Auch Toni Polster ließ es sich nicht nehmen, seinen jungen Anhängern für die emsige Unterstützung während dieser Wahl zu danken. Faksimile Kronen Zeitung 15. März 1985

Einziges Manko war, dass die Finger im Winter im Laufe der Zeit kalt und blau wurden und die Frau Mutter schimpfte, wenn man voller Druckerschwärze an der Jacke irgendwann in der Finsternis ohnehin viel zu spät nach Hause kam. Aber den eigenen Liebling so weit wie möglich nach vorne zu bringen, das war der Sport.

Auch die Vereine ließen sich die Aktivitäten ihrer Fans etwas kosten. In Linz beim SK VÖEST erhielt man beispielsweise 1984/85 für 1.000 Stimmzettel für den damaligen Jung-Star Jürgen Werner einen adidas-Tango Rosario-Ball mit sämtlichen Unterschriften des Kaders versehen. Dies war für die Anhänger Ansporn genug, trotz blauer Fingerchen und matschkerndem Elternteil eifrig in die Papier-Container abzutauchen.

Heute erfreut sich diese Wahl nach wie vor großer Beliebtheit. Bloß sitzt man gemütlich im Warmen am PC, oder aber nestelt am iPhone herum und „votet“ für seinen Liebling. Gewiss wird auch noch eifrig geschnippselt, beschriftet, gebündelt und abgegeben, doch der Lauf der modernen Zeit machte auch vor dieser Traditions-Wahl nicht halt.

Ausschneiden, ausfüllen, einsenden - der Lieblings-Kicker wird sich freuen.

Ausschneiden, ausfüllen, einsenden – der Lieblings-Kicker wird sich freuen.

 

Und selbst, wenn in der Zwischenzeit andere Medien auf den Erfolgs-Zug von Sportler- und Kicker-Wahlen aufgesprungen sind, die absolute Mutter dieses Systems und dieser Wahl, das wird zweifellos stets die „Neue Kronen Zeitung“ bleiben. Und das ist auch gut so.

www.krone.at/fussballerwahl

 

 

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