29. April 1978 / Bundesliga-Siege für die Ewigkeit

Das heute nicht mehr existente Rheinstadion zu Düsseldorf - hier im Juni 2001 - erlebte vor 40 Jahren, am 29. April 1978, den höchsten Bundesliga-Erfolg in der Geschichte des Deutschen Klubfußballs. Foto: oepb

Das heute nicht mehr existente Rheinstadion zu Düsseldorf – hier im Juni 2001 – erlebte vor 40 Jahren, am 29. April 1978, den höchsten Bundesliga-Erfolg in der Geschichte des Deutschen Klubfußballs. Foto: oepb

Man kennt das ja: Eine Bundesliga-Spielzeit neigt sich ihrem Ende zu. Es finden Begegnungen statt, die weder „nach oben“, noch „nach unten“ in der Tabelle großartige Platz-Verschiebungen nach sich ziehen, folglich sind die Spieler meist auch nicht mehr so 100%ig bei der Sache wie sonst. Tore fallen da schon einmal leichter, Mannschaften zerbrechen und wahrhafte Schützenfeste finden statt.

Es gab – und gibt – aber auch Momente, in denen – bei einem Sieg am letzten Spieltag vorausgesetzt – die Tordifferenz eine ganz entscheidende Rolle spielen kann. Am Samstag, 25. Juni 1983 zum Beispiel. Die Wiener Austria, als auch RAPID lagen punktegleich Kopf an Kopf in der Tabelle, ehe es zum „Bundesländer-Duell“ Wien gegen das Burgenland kam. Die Austria empfing im heimischen Franz Horr-Stadion den SC Neusiedl, der bereits gerettet war, RAPID reiste ins Lindenstadion zum SC Eisenstadt und konnte dort aus eigener Kraft – einen vollen Erfolg vorausgesetzt – Meister werden. Nun, die Geschichte ist bekannt: RAPID behielt im Burgenland mit 4 : 0 die Oberhand und sicherte sich damit die Meisterschaft 1982/83. Die Austria überfuhr zwar den SC Neusiedl mit 8 : 0, am Ende aber fehlten den Violetten 5 Tore auf den Thron.

Im benachbarten Deutschland steht an diesem Wochenende ein Jubiläum an. Vor 40 Jahren kam es zum bisher höchsten Erfolg in der Bundesliga-Historie. Die Konstellation vor dem 34. und letzten Spieltag am 29. April 1978 lautete wie folgt: Tabellenführer 1. FC Köln, 46 Punkte, Tordifferenz + 40. Zweiter VfL Borussia Mönchengladbach, detto 46 Punkte, Tordifferenz + 30. Sollte der FC aus der Domstadt am Rhein gewinnen, wären die Geißböcke Deutscher Meister.

Der Weg führte die Rot-Weißen nach Hamburg. Im Volksparkstadion traf man vor 25.000 Zuschauern auf den bereits abgestiegenen FC St. Pauli. Köln begann schwungvoll und führte zur Halbzeit mit 1 : 0.

Im Düsseldorfer Rheinstadion jedoch geschah an jenem Nachmittag einzigartiges. Der Bökelberg in Mönchengladbach wurde umgebaut, folglich wich die Gladbacher Borussia nach Düsseldorf aus. Dort wohnten 38.000 Besucher einer Sternstunde ihrer „Fohlen“ bei. Man traf im „Borussen-Derby“, wenn man so will, auf Dortmund. Der BVB tabellarisch jenseits von gut und böse angesiedelt, hatte seine Saison bereits beendet. Man lag an 11. Stelle und war mit der Saison durch.

Der Bundesliga-Champion der Jahre 1975 bis 1977 VfL Borussia Mönchengladbach gab sich jedoch noch nicht geschlagen. Man wollte den Kölner FC am letzten Spieltag knapp vor der Ziellinie noch abfangen. Doch bedarf es dazu einer Schützenhilfe von St. Pauli. So legten die Fohlen ihr Spiel an. Bereits nach 27 Sekunden traf Jupp Heynckes zum 1 : 0. Dem heutigen Bayern-Trainer sollten damals in diesem Spiel 5 Treffer gelingen. Zur Halbzeit führte Gladbach bereits mit 6 : 0.

Die Gegenwehr der Dortmunder hielt sich nicht nur in Grenzen, sie war schier nicht vorhanden. Der Ball der Fohlen lief wie am Schnürchen und die schwarz-gelben Borussen eilten und keuchten nur hinterher. Auch nach Seitenwechsel ging das muntere Scheibenschießen weiter. Tor um Tor wurde im Düsseldorfer Rheinstadion bejubelt. Da jedoch auch der 1. FC Köln im 400 Kilometer entfernten Hamburger Volkspark seine Hausaufgaben erfüllte, fehlten am Ende den Gladbachern 3 Tore für die Meisterschaft. Köln schlug den bereits abgestiegenen FC St. Pauli mit 5 : 0 und in Düsseldorf endete die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund mit 12 : 0. Ein Treffer-Reigen, der bis heute als Bundesliga-Rekord gilt.

Udo Lattek, Trainer in Gladbach, meinte damals nach dem Spiel: „Hätten wir Jupp Heynckes immer dabei gehabt und wäre er nicht durch sein Knie spielerisch ab und an lädiert gewesen, wir wären auch diesmal wieder Meister geworden.“ Der 23-jährige Dortmunder Keeper Peter Endrulat bestritt nach diesem 0 : 12-Debakel nie wieder ein Bundesliga-Spiel. Und BVB-Coach Otto Rehagel wurde tags drauf gekündigt. Kurios dabei ist auch, dass weder der 1. FC Köln, noch Borussia Mönchengladbach in diessen 40 Jahren jemals wieder Deutscher Meister wurden.

Zurück nach Österreich: Hier hält in der Bundesliga-Geschichte, gerechnet seit 1974, RAPID den Rekord an “Schützenfesten”. Zweimaliger Leidtragende ist der Grazer AK. Am 22. Juni 1977 demolierte RAPID den GAK im Weststadion mit 11 : 1. Hans Krankl gelangen dabei 7 Volltreffer. Und am 27. September 1985 siegte RAPID in Graz-Liebenau mit 10 : 0. Der Gegner dabei war abermals der GAK.

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