2. Deutsche Liga – 40 Jahre Kult

kicker Sonderheft 40 Jahre Zweite BundesligaDarf eine Fußball-Bundesliga, umso mehr, wenn es sich dabei nicht einmal um die Beletage handelt, ein Jubiläum begehen? Natürlich darf sie das und dies gerade auch deshalb! Die 2. Deutsche Bundesliga ist 40 Jahre und/oder Spielzeiten jung. Dies war für das renommierte  kicker  SPORTMAGAZIN Anlass genug, um einen umfassenden Rückblick auf eben die Zweite Deutsche Bundesliga zu werfen.

Auf jeden sportlichen Abstieg, so traurig stimmend er auch immer wieder ist, folgt naturgemäß irgendwann einmal wieder der fußballerische Höhenflug und Aufstieg. Große, berühmte, aber auch weniger bekannte Fußball-Vereine aus Deutschen Landen gaben sich in diesen 40 Jahren quasi die ballesterische Klinke in die Hand. Zahlreiche Teams kamen, um als Dauerbrenner in die Geschichte einzugehen. Alemannia Aachen beispielsweise, der FC St. Pauli, die Stuttgarter Kickers, der SV Waldhof Mannheim oder aber der VfL Osnabrück.

Dann gab es jene, die als Paternoster-Klubs ihr sportliches Leben führten. Diese Vereine sind abgestiegen, um wieder aufzusteigen – um hernach wieder den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit antreten zu müssen: Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg, 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC, VfL Bochum, 1. FC Saarbrücken, Bayer 05 Uerdingen, Arminia Bielefeld oder aber der SV Darmstadt 98.

Unglaublich, aber wahr – auch hier wurde 2. Bundesliga in Form des TSV 1860 München gespielt. Blick auf das Münchner Olympiastadion. Foto: oepb.at

Unglaublich, aber wahr – auch hier wurde 2. Bundesliga in Form des TSV 1860 München gespielt. Blick auf das Münchner Olympiastadion. Foto: oepb.at

Fortuna Köln, Wattenscheid 09, FC Augsburg, LR Ahlen oder aber Hannover 96 wurden von Mäzenen geführt, die sich ihr liebstes Spielzeug sehr viel an gewissem Körberlgeld kosten ließen. Der legendäre Hans „Schäng“ Löring war so ein Gönner. 26 Jahre lang spielte sein SC Fortuna Köln in der 2. Liga. Am 15. Dezember 1999 kickte die Fortuna zu Hause im Kölner Südstadion gegen Waldhof Mannheim, lag zur Halbzeit mit 0 : 2 zurück und stand auf einem Abstiegsplatz. Trainer Harald „Toni“ Schumacher gab in der Kabine seine Anweisungen für die zweite Hälfte, als plötzlich die Tür aufging und der Präsident hereinbrach: „Hau app in de Eiffel. Du määs minge Verein kapott. Du häss he nix mie zu sare.“ – Zitat Löring. Schumacher, eine Ikone des „großen“ 1. FC Köln, schlich eines begossenen Pudels gleich aus der Kabine. Der Präsident coachte selbst und nahm in der zweiten Halbzeit auf der Bank Platz – Endergebnis 1 : 5. Hans Krankl wurde für das Frühjahr 2000 verpflichtet, konnte aber den Sturz der Kölner Fortuna ins Unterhaus nicht mehr verhindern. Seit diesen Jahren ist der „kleine“ Kölner Klub, der immerhin über ein Viertel Jahrhundert in der 2. Liga spielte, in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Die Geschichte des Stadions der 100.000 – Leipziger Zentralstadion – findet nun im Museum der Red Bull Arena Leipzig ihren Niederschlag. Foto: oepb.at

Die Geschichte des Stadions der 100.000 – Leipziger Zentralstadion – findet nun im Museum der Red Bull Arena Leipzig ihren Niederschlag. Foto: oepb.at

Apropos 1. FC Köln: der 1. FC Kaiserslautern, der Hamburger SV, die SG Eintracht Frankfurt und eben auch der 1. FC Köln zählten jahrelang zu den „großen Vier“, die seit der Einführung der 1. Deutschen Bundesliga im Jahre 1963 ununterbrochen im Oberhaus aktiv waren. Bis, ja bis dieses Quartett zerbröckelte. Den Anfang dazu machen 1995/96 Kaiserslautern und Frankfurt, die erstmals die Liga wechselten, 1997/98 gesellte sich auch der FC aus Köln dazu und stieg trotz zahlreicher Tore von Anton „Toni“ Polster sang und klanglos in die 2. Liga ab. Geblieben als selbsternannter Dino ist nur der Hamburger SV, der nun seit über 50 Jahren immer und immer wieder im Oberhaus anzutreffen ist, wenngleich in letzter Zeit lediglich um Haaresbreite, denn im Sommer 2014 gelang der Verbleib erst in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth und da auch nur aufgrund der Auswärtstor-Regel.

Tief im Westen sind sie zu Hause und entern für ihren VfL jeden Winkel der Republik. Bochumer Allesfahrer beim Auswärtsspiel in Fürth, Dezember 2014.  Foto: oepb.at

Tief im Westen sind sie zu Hause und entern für ihren VfL jeden Winkel der Republik. Bochumer Allesfahrer beim Auswärtsspiel in Fürth, Dezember 2014. Foto: oepb.at

Rot-Weiss Essen, der SV Meppen, TSV Eintracht Braunschweig, Rot-Weiß Oberhausen oder aber auch Eintracht Trier gelten als Kultklubs. Diese Teams mit teilweise sehr starkem und begeisterungsfähigen Anhang, lassen ihre treuen Fans oftmals leiden und weinen.

Und auch die Deutsch-Deutsche Wiedervereinigung findet und fand in der 2. Deutschen Bundesliga ihren klaren Niederschlag. Waren sie in der DDR große erfolgreiche Teams, die zu Meister-Ehren kamen und oftmals auch im Europapokal reussierten, so backen sie nun nach der Wiedervereinigung sportlich kleinere Brötchen. Der FSV – vormals SachsenringZwickau beispielsweise, Rot-Weiß Erfurt, Carl Zeiss Jena, SG Dynamo Dresden, der nicht mehr existente VfB Leipzig, 1. FC Union Berlin, Hans Rostock und dergleichen tummelten sich nach dem Zerfall der DDR 1989 in der 2. Liga und leider vermehrt auch darunter.

Eine Stadionuhr als Zeuge der Geschichte. Der Hamburger SV gehört als einzig verbliebender Verein seit 1963 ununterbrochen der 1. Bundesliga an. Die Aufnahme stammt vom Mai 2014.  Foto: oepb.at

Eine Stadionuhr als Zeuge der Geschichte. Der Hamburger SV gehört als einzig verbliebener Verein seit 1963 ununterbrochen der 1. Bundesliga an. Die Aufnahme stammt vom Mai 2014. Foto: oepb.at

Die Relegation – Freud und Leid zu aller Zeit
Der Drittplatzierte der 2. Liga rittert mit dem Drittletzten der 1. Liga im Hin- und Rückspiel um den Auf-, respektive Abstieg. Auch hier kam es bereits sehr oft zu ganz bitteren Szenen. Die erwähnte Relegation 2014, als Fürth in Hamburg beim HSV ein respektables 0 : 0 erzielte, daheim im Ronhof über ein 1 : 1 nicht hinauskam. Zweimal gegen den „Großen“ nicht verloren, und doch eine Saison in den Sand gesetzt. Eintracht Frankfurt blieb 1984 und 1989 zweimal in der Relegation erfolgreich, wobei 1984 die Sache klar war. 5 : 0 an der Wedau beim MSV Duisburg und 1 : 1 im heimischen Waldstadion. 1989 war die causa schon enger. Den 1. FC Saarbrücken bezwang man zwar im Hinspiel mit 2 : 0, zitterte aber beim Rückspiel im Ludwigspark beim 1 : 2 gehörig, blieb der Liga aber doch erhalten. Den absoluten Top-Vergleichskampf dieses Procederes gab es im Mai 1986. Fortuna Köln traf auf Borussia Dortmund. 2 : 0 das Hinspielergebnis in Köln-Müngersdorf, 1 : 3 nach einer 1 : 0-Pausenführung das Rückspiel-Resultat im Westfalen-Stadion. Die Auswärtstorregel zählte noch nicht. Nachdem aufgrund zahlreich ausgefallener und kranker Spieler auf beiden Seiten knapp zwei Wochen verstrichen waren, kam es am 30. Mai 1986 im Düsseldorfer Rheinstadion zum absoluten Entscheidungsspiel und Show-Down. 50.000 Besucher waren begeistert und die kleine „Fortuna“ aus Köln der Gelackmeierte. 8 : 0 brausten die Westfalen über die Rheinländer hinweg, wobei der Pausenstand von 1 : 0 eine ganz und gar noch nicht klare Sprache gesprochen hatte.

Ein knapp ausverkauftes Frankenstadion zur Nürnberg anlässlich des ältesten Derbys in Deutschland/Nürnberg gg. Fürth, 0 : 0, 20.12.2014. Foto: oepb.at

Ein knapp ausverkauftes Frankenstadion zu Nürnberg anlässlich des ältesten Derbys in Deutschland/Nürnberg gg. Fürth, 0 : 0, 20.12.2014. Foto: oepb.at

Dies alles und noch viel mehr
Diego Armando Maradona beim SV Meppen, warum Claus-Dieter WollitzPele” gerufen wird, die Dauerbrenner Willi Landgraf und Dieter Schatzschneider – der in Österreich auch in Graz für den GAK aktiv war – im lesenswerten Interview, Statistiken, Zahlen, Fotos, Fakten und, und, und auf 174 überaus starken Din A4 Seiten.

Und wie posaunte doch ein enttäuschter und den Tränen naher 1. FSV Mainz 05-Trainer Jürgen Klopp 2003 nach dem abermaligen Scheitern am letzten Spieltag und Rang 4 hinaus: „Diese Liga ist so geil, ich verstehe gar nicht, dass man aus der immer aufsteigen muss.“ Im Jahr darauf wurden Klopps Mainzer Dritter und stiegen erstmals in die 1. Bundesliga auf.

Wenn man den kicker nicht schon existent wüsste, man müsste ihn glatt erfinden. Ein Nürnberger Verlag samt Magazin, das einem vierfachen Fußball-Weltmeisterland absolut gerecht wird.

Zu beziehen bitte hier:

www.kicker.de

www.bundesliga.de

 

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