2.7. & 22.9.2020 / Roma-Tage mit Harri Stojka & Co.

Blick auf die Hellerwiese in Wien des Jahres 1940, dem heutigen Baranka Park. Foto: Archiv Goettlicher / Bezirksmuseum Simmering

Blick auf die Hellerwiese in Wien des Jahres 1940, dem heutigen Baranka Park. Foto: Archiv Goettlicher / Bezirksmuseum Simmering

Starker Auftritt der Volksgruppe Roma – mit Kunst & Kultur zu einem neuen Selbstverständnis;

Der Wiener Verein Voice of Diversity hat es sich zum Ziel gesetzt, mit Kunst- & Kultur-Veranstaltungen über die Volksgruppe der Roma zu informieren und aufzuklären.

Roma sind mit an die 12 Millionen Angehörigen die größte Minderheit in Europa und waren Jahrhunderte lang ausgegrenzt und diskriminiert. Die Stellung der Roma in der Gesellschaft ist immer noch geprägt von Vorurteilen.

Für das Frühjahr 2020 hatte Voice of Diversity gleich zwei interessante Veranstaltungen geplant, die mit Allgemeinbildern aufräumen und die die Welt der Roma-Gemeinschaft aus ihrer eigenen Sicht beleuchten. Die aufgrund der Covid19-Maßnahmen abgesagten Veranstaltungen werden nun im Sommer stattfinden. Mit der Baranka Park Gedenkfeier am 2. Juli 2020 in Favoriten zum Gedenken der Opfer des Nazi-Regimes. sowie einer Podiumsdiskussion und anschließendem Konzert von Harri Stojka & seinem Roma Musik Ensemble anlässlich des Internationalen Tag der Roma am 22. September 2020 im Wiener Musikclub Porgy & Bess präsentiert sich die Roma-Gemeinschaft selbstbewußt, stark und rebellisch.

Was: 12. Baranka Park Gedenkfeier

Wann: Donnerstag, 2. Juli 2020 (17.00-22.00 Uhr)

Wo: Baranka Park am Belgradplatz, 1100 Wien,

Portrait Baranka Huber, die Großmutter von Mongo Stojka. Foto: Familie Stojka

Portrait Baranka Huber, die Großmutter von Mongo Stojka. Foto: Familie Stojka

Eintritt frei

Es musizieren: Harri Stojka & Roma Musik Ensemble, Roman Grinberg, Tommy Hojsa

Lesungen von: Doris Stojka, Stefan Horvath und Katharina Janoska

Was: Internationaler Tag der Roma

Wann: Dienstag, 22. September 2020

Wo: Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien

Podiumsdiskussion: 18.00-19.30 Uhr, Eintritt frei

Mit:

Angéla Kóczé / Central European University, Budapest
Frank Reuter / Universität Heidelberg
Samuel Mágó / Schriftsteller, Wien
Simonida Selimović / Schauspielerin, Wien

Moderation: Mirjam Karoly / Politikwissenschaftlerin, Wien

+ Konzert: 20.30 Uhr, Tickets: € 26,-;

www.porgy.at 

Harri Stojka & Roma Musik Ensemble

12. BARANKA PARK Gedenkfeier

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Die Baranka Park Gedenkfeier wird seit mehr als 10 Jahren vom Verein Voice of Diversity veranstaltet, um der Roma und Sinti zu gedenken, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Mit der Feier wird der Opfer gedacht und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie der jüdischen und Wiener Kultur gefeiert und vermittelt. Künstler/innen, Autor/innen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Akteur/innen der Zivilgesellschaft – sie alle setzen am 2. Juli 2020 mit ihrem (kulturellen) Wirken ein Zeichen gegen das Vergessen.

Gitarren-Virtuose Harri Stojka, über den Hans Krankl einst sagte, während sie als Buben im Park gekickt hatten, saß der kleine Harri daneben und zupfte immerfort auf seiner Gitarre. Foto: Sabine Hauswirth

Gitarren-Virtuose Harri Stojka, über den Hans Krankl einst sagte, während sie als Buben im Park gekickt hatten, saß der kleine Harri daneben und zupfte immerfort auf seiner Gitarre. Foto: Sabine Hauswirth

Rastplatz der Roma & Sinti – ein historischer Ort

Seit dem 18. Jahrhundert war die Hellerwiese Lager- und Rastplatz der Roma (aus dem Stamm der Lovara) und Sinti, die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis in den Grazer Raum handelten. Die fahrenden Händler lebten mit ihren Wohnwägen auf der Wiese in unmittelbarer Nähe zur Schokoladen-Fabrik Heller.

Der Austausch mit den Nachbarn war freundschaftlich und von gegenseitigem Respekt, bis 1940 das NS-Regime auf die Roma und Sinti Familien aufmerksam wurde.

Das Gelände wurde zunächst eingezäunt und stand unter Beobachtung. Im Jahr 1941 verschleppte die Gestapo schließlich blindwütig und gnadenlos alle auf der Wiese lebenden Menschen in Konzentrationslager.

Zeitzeuge Mongo Stojka

Johann „Mongo“ Stojka, der als Kind mit seiner Familie selbst auf der Wiese gelebt hatte, war einer der ganz wenigen, die das Konzentrationslager überlebten. Sein Vater erkannte die Gefahr durch die Nazis frühzeitig und übersiedelte die acht-köpfige Familie nach Ottakring nahe dem Kongressbad. Die Räder des Wohnwagens montierte der Vater kurzerhand ab und machte aus dem mobilen Heim ein kleines Holzhaus mit festem Standort. Doch 1943 wurde auch die Familie Stojka von der Gestapo ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und erlebte Schreckliches. Mit Hilfe seines Sohnes, dem international bekannten Gitarren-Virtuosen Harri Stojka  begann er schließlich, die Geschichte dieses historischen Ortes, die auch seine eigene war, aufzuarbeiten und öffentlich zu machen. Im Jahr 2003 wurde der Park schließlich nach der angesehenen Naturheilerin Helene „Baranka“ Huber – Großmutter von Mongo Stojka und Stammes-Oberste – in Baranka Park umbenannt. Seit 2009 organisiert der Verein Voice of Diversity die jährliche Baranka Park Gedenkfeier, um die unermüdliche Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung von Mongo Stojka, der im März 2014 verstorben ist, weiter zu führen.

 

Programm – 2. Juli 2020 (17.00 – 22.00 Uhr)

17.00 Uhr – Eröffnung

Zahlreiche Persönlichkeiten kommen zu Wort und geben kurze Statements, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen und den Blick für die Gegenwart und Zukunft zu schärfen.

17.30 Uhr – Musikschule Favoriten

Zum Auftakt der Feier stehen verschiedene Gruppen der Musikschule Favoriten auf dem Programm.

18.30 Uhr – Lesungen Doris Stojka, Stefan Horvath & Katharina Janoska

19.00 Uhr – Roman Grinberg New Klezmer Trio

In ihrem aktuellen Programm haben die drei Künstlerfreunde alte und neue Klezmer-Melodien undviele beliebte jiddische Lieder zu einer bunten Collage zusammengestellt. Ein Programmzum Zuhören und Mitsingen, zum Lachen, Nachdenken und Verstehen.

Stimmungsbild Baranka Park - Gedenkfeier. Foto: Dietmar Lipkovich

Stimmungsbild Baranka Park – Gedenkfeier. Foto: Dietmar Lipkovich

20.00 Uhr – Tommy Hojsa

Tommy Hojsa ist ein Experte und Musiker des Wienerlieds, Komponist und auch Theatermusiker. Am liebsten bewegt er sich zwischen den musikalischen Welten, dem klassischen und experimentellen Wienerlied, der Theatermusik, dem Jazz und weit darüber hinaus. Er beschäftigt sich mit der Vertonung von Texten, ist Interpret am Klavier und Akkordeon als auch Begleiter zahlreicher Sänger/innen.

21.00 Uhr – Harri Stojka & Roma Musik Ensemble

Der international bekannte Roma Gitarrist Harri Stojka wendet sich seinen „Wurzeln“ zu. Wobei in diesem Fall „Wurzeln“ eigentlich „Straßen“ bedeutet – jene, denen seine nomadischen Vorfahren über Jahrhunderte zwischen Asien und Europa gefolgt sind. Ihre Musik wurde so zum Spiegel der Klangkünste ganzer Kontinente, die sie mit ihren eigenen Traditionen von Improvisation und Virtuosität verbanden. Harri Stojkas musikalische Laufbahn ist immer schon eine Fortsetzung dieser alten Reise gewesen und sie hat auch ihn zu immer neuen Formen von Musik geführt.

INTERNATIONALER TAG DER ROMA

Künstlerischer Ausdruck zu Vorurteilen und Selbstermächtigung
Podiumsdiskussion & Konzert, 22. September 2020, Porgy & Bess

Der Internationale Tag der Roma wird jährlich am 8. April begangen – ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma aufmerksam gemacht werden soll. Zum einen wird an diesem Tag die Diskriminierung der Volksgruppe in den Blickpunkt gerückt, zum anderen wird die Roma Kultur gefeiert. Voice of Diversity organisiert bereits zum 2. Mal aus diesem Anlass – diesmal am 22. September 2020 – eine international besetzte Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im Porgy & Bess in Wien.

Stimmungsbild Baranka Park - Gedenkfeier. Foto: Dietmar Lipkovich

Stimmungsbild Baranka Park – Gedenkfeier. Foto: Dietmar Lipkovich

Podiumsdiskussion über Eigen- und Fremdzuschreibungen

In Österreich wie auch in Europa haben im Zuge einer Emanzipationsbewegung in den vergangenen 20 Jahren, Roma und Romnja den gesellschaftlichen Diskurs über ihre Volksgruppe in Frage gestellt und begonnen, ihre eigenen Narrative zu prägen. Zur Podiumsdiskussion sind internationale Gäste eingeladen, die durch ihr kulturelles Wirken gängige Narrativetransformieren und mit Vertreter/innen aus Politik und Wissenschaft über das Verhältnis von Fremd- und Selbstzuschreibungen und deren Auswirkung auf Identität und Politik diskutieren:

Angéla Kóczé, Central European University, Budapestist Assistenzprofessorin am Lehrstuhl für Roma-Studien und akademische Leiterin des Roma Graduate Preparation Program an der Central European University in Budapest. In ihrem interdisziplinären Forschungsansatz kombiniert sie das Engagement der Roma Gemeinschaft und die Politikgestaltung.

Frank Reuter, Universität Heidelberg ist seit Januar 2018 wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Ein zentraler Arbeitsschwerpunkt ist der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma, dessen Voraussetzungen und Nachwirkungen.

Samuel Mágó, Schriftsteller, geboren in Budapest, lebt und arbeitet als Schriftsteller, Journalist, Künstler und Menschenrechtsaktivist in Wien. Er stammt aus einer Roma-Familie mit mütterlicherseits jüdischen Wurzeln.

Simonida Selimović, Schauspielerin, geboren in Serbien, ist Schauspielerin und Roma Aktivistin. Sie wirkte in zahlreichen Film- und Theaterproduktionen mit (u.a. Chiao Cherie von Nina Kusturica). 2010 gründete sie den feministischen Roma Theaterverein Romano Svato.

Moderation: Mirjam Karoly, Politikwissenschaftlerin, arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich Menschenrechte und zur Situation der Roma. Als Angehörige der Burgenland-Roma ist sie Mitglied des Österreichischen Volksgruppenbeirates und Vorstandsmitglied des Vereins Romano Centro, Wien, und des Europäischen Roma-Rechte-Zentrums in Budapest.

Konzert mit Harri Stojka & Roma Musik Ensemble

Ein wichtiger Bestandteil des Internationalen Tag der Roma ist es, die Kultur der Roma zu präsentieren und so wird der theoretische Teil der Veranstaltung am Abend mit einem Konzert feierlich ausklingen. Der international bekannte Gitarrist Harri Stojka stellt mit seinem Ensemble ein spezielles Programm aus seinem reichen Fundus der Roma Musik zusammen und möchte damit die Geschichte seines Volkes näher bringen und auch auf die musikalische Gegenwart hinweisen.

Quelle: GAMUEKL

www.harristojka.at

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