11. NÖ Impftag / Gemeinsame Fortbildung von Ärzten und Apothekern

Impfen heutzutage ist nicht nur wichtig und ein Gebot der Stunde, es wäre für viele Menschen auch lebensverlängernd. Foto: Gregor Knoblauch

Impfen heutzutage ist nicht nur wichtig und ein Gebot der Stunde, es wäre für viele Menschen auch lebensverlängernd. Foto: Gregor Knoblauch

Der 11. NÖ Impftag, der am 14. März 2020 in Laxenburg stattfindet, wird sich unter anderem ausführlich mit Impfschäden und dem österreichischen Impfschadengesetz befassen. Impfschäden treten deutlich seltener auf als Todesfälle durch die entsprechenden Krankheiten bei Nichtgeimpften. Von militanten Impfgegnern werden diese aber als „Totschlag-Argumente“ verwendet, die auch jene Menschen verunsichern, die Impfungen grundsätzlich nicht kritisch sehen.

Der Initiator des NÖ Impftags, Prim. Univ-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Mitglied des Impfgremiums des Gesundheitsministeriums, erklärt die Schwerpunktwahl für die heurige Veranstaltung folgendermaßen: „Wir greifen dieses Thema auf, um einerseits zu sensibilisieren und andererseits die Probleme im Umgang mit Impfschäden aufzuzeigen. Die Thematisierung soll definitiv einen Beitrag zur Verbesserung des Wissens, aber auch der Transparenz leisten. Zudem haben wir in Österreich ein gutes Impfschadengesetz, das alle, Geimpfte und Impfende, zwar nicht vollständig vor Impfschäden schützen kann, aber in den seltenen Fällen dann finanzielle Entschädigung und rechtliche Sicherheit gibt.“

Verunsicherung durch (vermeintliche) Impfschäden ist enorm

In wenigen Fällen aber doch, kommt es nach der Verabreichung einer Impfung zu einer über eine Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigung, das heißt, zu einem sogenannten Impfschaden. Es ist auch durchaus möglich, dass zeitgleich mit der Impfung, aber unabhängig davon, ein weiteres medizinisches Problem auftritt. Impfschäden sind deutlich seltener als Todesfälle durch die entsprechenden Krankheiten bei Nichtgeimpften. Dennoch lassen sich viele Menschen nicht impfen. Ein häufiger Grund dafür sind Horrorberichte in Medien und im Internet. Die Zahl der Impfkritiker hat in den letzten Jahren auch in Österreich zugenommen, wie MR Dr. Dietmar Baumgartner, Vizepräsident und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer für NÖ, betont: „Die meisten Impfkritiker sind nicht wirklich Impfgegner, sondern eher Impfskeptiker. Sie sind unsicher, wie sie sich entscheiden sollen und lassen sich durch Berichte über Impfschäden in den Medien leicht beeinflussen. Durch das Internet haben die Impfgegner heute den Vorteil, dass sie ihre Theorien, verdrehte Fakten, inkorrekt interpretierte Studien und gezielte Falschinformationen rasch und unkompliziert verbreiten können. Wichtig für uns Ärzte sind die Aufklärung und das persönliche Gespräch vor allem mit den Eltern von Kindern, die geimpft werden sollen.“ Auch Zwiauer sieht die Problematik der Verunsicherung durch die Medien: „Impfschäden sind rar, aber in der medialen Wirkung sehr effektiv. Ähnlich effektiv sind Impfungen in der Wirksamkeit gegen die Erkrankungen, gegen die sie schützen sollen. Impfschäden, auch vermeintliche Impfschäden, lösen emotionale Riesenwellen aus und verunsichern.“

Grundsätzlich unterschieden werden muss zwischen Impfschäden und Impfnebenwirkungen, wie Dr. Barbara Tucek, MSc, von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erklärt: „Bei einer Nebenwirkung handelt es sich um eine schädliche und unbeabsichtigte Reaktion auf ein Arzneimittel. Die häufigsten Impfnebenwirkungen, wie zum Beispiel Rötung/Schmerzen an der Einstichstelle und Fieber, sind meist mild und selbstlimitierend. Ein Impfschaden kann nur nach Einbringung eines Antrags beim Sozialministeriumservice im Zuge eines Verwaltungsverfahrens mit positivem Ausgang zuerkannt werden. In Relation zur Gesamtsumme der Impfungen stellen anerkannte Impfschäden heute ein äußerst seltenes Ereignis dar. Aufgrund der enorm hohen Anforderungen an ihr Sicherheitsprofil waren Impfstoffe noch nie so sicher wie heute.“

Ziel sind höhere Durchimpfungsraten

Nicht bei allen Ungeimpften steckt eine Absicht dahinter. Neben Impfgegnern und Impfskeptikern gibt es auch viele Österreicherinnen und Österreicher, die sich unbeabsichtigt nicht impfen lassen, weil sie einfach darauf vergessen. Abhilfe könnte künftig der elektronische Impfpass schaffen, der heuer im Rahmen eines Pilotprojekts in Niederösterreich, der Steiermark und Wien in Zusammenarbeit mit ausgewählten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erprobt werden soll. Priv.-Dozin. Maga. Dr.in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Abteilungsleiterin Impfwesen, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, meint dazu: „Zukünftig könnte eine Erinnerungsfunktion an anstehende Impfungen dazu beitragen, Durchimpfungsraten zu erhöhen.“

Impfaktionen in den Apotheken und Aufklärung sollen Bevölkerung zu Impfungen motivieren

Von Seiten der Apothekerkammer setzt man seit Jahren auf Aufklärung, wie Mag. pharm. Peter Gonda, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich, erläutert: „Wir Apothekerinnen und Apotheker sehen es als eine wichtige, auch gesundheitspolitische Aufgabe, zum Thema Impfen aufzuklären und das Impfbewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. Impfgegner werden wir in der Apotheke nicht „bekehren“ können. Was wir können, ist, Menschen zu informieren, die dem Impfen an sich positiv beziehungsweise neutral gegenüberstehen, aber verunsichert sind oder einfach nicht an (Auffrischungs-) Impfungen denken. Die seriöse Information und persönliche Beratung in den Apotheken helfen, Fake-News und abstrusen Gerüchten, aber auch Ängsten in Bezug auf Nebenwirkungen und Impfschäden entgegenzuwirken.“

Die österreichischen Apotheken sehen es als eine wichtige gesundheitspolitische Aufgabe, Impfaktionen für die Bevölkerung durchzuführen. So werden auch heuer wieder die FSME-Impfstoffe für Erwachsene und Kinder bis 31. August 2020 zu einem Sonderpreis angeboten. Die Pneumokokken-Impfaktion läuft noch bis 31. März 2020. Die Pneumokokken-Impfung wird Kindern sowie Erwachsenen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr empfohlen. Gonda ergänzt: „Impfen stellt eine einfache, günstige und vor allem sehr wirksame Vorsorgemaßnahme dar, um sich gegen die entsprechenden Infektionskrankheiten zu schützen und deren oft fatale Auswirkungen zu verhindern. Deshalb finden in den österreichischen Apotheken immer wieder Impfaktionen – wie ganz aktuell z.B. gegen FSME – statt, mit dem Ziel, dass sich noch mehr Personen, zu ihrem eigenen Wohl und zu ihrer eigenen Sicherheit, impfen lassen.“

Impfplan 2020

Im „Impfplan Österreich 2020″, der in enger Zusammenarbeit vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und den Mitgliedern des Nationalen Impfgremiums nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft aktualisiert wurde, finden sich unter anderem Änderung im Kapitel Impfschäden. Weiters wurden die Altersangaben bei einigen Impfungen präzisiert und verdeutlich (6-fach Impfung, FSME, Hepatitis B, Meningokokken) sowie die Empfehlungen für die Pneumokokkenimpfung für Personen vom vollendeten 50. bis zum 60. Lebensjahr geändert und vereinfacht.

Eine Krankheit, die in den letzten Jahren wieder mehr in den Fokus rückt, ist Pertussis, denn die Zahl der an Keuchhusten erkrankten Erwachsenen mit Komplikationen und einem Langzeitverlauf hat in Österreich deutlich zugenommen. Von 579 gemeldeten Keuchhustenfällen 2015 stieg die Zahl bis 2018 auf fast 2.200 Fälle an. Daher wird der Pertussisinfektion im Impfplan 2020 ein besonderer Stellenwert eingeräumt und die Impfung bei Schwangeren unabhängig vom Intervall zur letzten Pertussis-Impfung empfohlen.

Auswirkungen auf die Impfempfehlungen hat bedauerlicherweise die mangelhafte Impfdisziplin der Österreicherinnen und Österreicher, wie Zwiauer anmerkt: „Im Impfplan muss leider auch festgestellt werden, dass es z.B. die Influenza-Lebendimpfung in Österreich nicht mehr gibt – ein Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Österreich wird mit mehr und mehr Impfungen nicht mehr von Firmen versorgt, weil es sich auf Grund der niedrigen Durchimpfungsraten und der geringen Mengen an Impfdosen, die verimpft werden, nicht mehr rentiert, den Markt zu beliefern.“

Den „Impfplan Österreich 2020″ finden Sie im Internet auf der Seite des Sozialministeriums www.sozialministerium.at

Quelle: NÖ-Ärztekammer

www.arztnoe.at
 
www.apothekerkammer.at  

Und noch eine ganze Menge mehr Artikel zum Thema IMPFEN und VORBEUGUNG finden Sie bei uns auch bitte hier;

 

 

 

 

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