1. 8. 1997 / 20 Jahre FC Blau Weiß Linz

Vom SK VÖEST zum FC Blau Weiß Linz. Der Weg war steinig, aber er hatte sich gelohnt. Foto: Johann Schornsteiner

Vom SK VÖEST zum FC Blau Weiß Linz. Der Weg war steinig, aber er hatte sich gelohnt. Foto: Johann Schornsteiner

Die Geschichte des FC Blau Weiß Linz ist noch sehr jung, in Anbetracht zur Konkurrenz in der Österreichischen Fußball-Bundesliga. Und dennoch lässt man nun die Sturm- und Drangzeit des süßen Teenager-Alters hinter sich und agiert als Twen im 21. Bestandsjahr anhand der immerhin bereits vierten Saison in Österreichs zweithöchster Spielklasse, der Sky Go Erste Liga.

Doch wie hat eigentlich alles angefangen, vor 20 Jahren mit „Blau-Weiß“ in Linz? Wie an anderer Stelle bereits mehrfach erörtert, ist der FC Blau Weiß Linz ein Fusionsprodukt. Ein Zusammenschluss des ehemaligen SV Austria Tabak-Vereins – damals, 1996/97, in der 1. OÖ-Landesliga, also der 4. Leistungsklasse, aktiv – und des FC Linz (Nachfolgeverein des SK VÖEST Linz), der am 21. Mai 1997 wegrationalisiert wurde.

Aus zwei auf dem Sterbebett liegenden Fußballvereinen mit weinenden Anhängern wurde binnen kürzester Zeit eben einer gezimmert und dieser mit neuem Lebensmut ausgestattet. Und so beging man am Freitag, 1. August 1997 mit dem sogenannten „Auferstehungsfest“ auch das gleichzeitige Wiegenfest für das neue Liebkind der Freunde des blau-weißen Klubfußballs in der Stahlstadt an der Donau. Der FC Blau Weiß Linz ward geboren.

So klein fing vieles an. VÖEST´ler trafen sich am Linzer Hauptplatz um zum Derby gegen die LASK Amateure in die Neue Heimat zu fahren, damals, im Mai 1999. Foto: Johann Schornsteiner

So klein fing vieles an. VÖEST´ler trafen sich am Linzer Hauptplatz um zum Derby gegen die LASK Amateure in die Neue Heimat zu fahren, damals, im Mai 1999. Foto: Johann Schornsteiner

Unter tosendem Applaus von sehr zahlreich anwesenden Anhängern wurde die ehemalige Werksmannschaft der Austria Tabakwerke mit den letzten Resten des FC Linz feierlich ins Fußball-Leben gehievt. Auch die ehemaligen VÖEST-Spieler wie Erwin Fuchsbichler, Gerald Haider, Jürgen „Joe“ Kreuzer, Dieter Mirnegg, Alexander Sperr, Günther Zeller und andere waren gekommen, ebenso der Ehrenobmann des SK VÖEST, Johann Rinner. Alle wollten dem Neuling ihre Aufwartung machen und sogleich auch ihre Reverenz erweisen.

Hermann Schellmann, einem seinerzeitigen Aktiven des SK VÖEST und späteren Gönner des FC Linz war es gelungen, mit zahlreichen emsigen Helferleins im Hintergrund dieses Projekt innerhalb weniger Tage auf die Beine zu stellen. Für die Anhänger war ohnehin klar, mit dem neuen Verein LASK Linz (steht für Linzer Athletik Sportklub Linz) nichts zu tun haben zu wollen. Da nützte es freilich auch nichts, als eine überaus eifrige Sekretärin bei den Linzer Schwarz-Weißen sämtliche FC Linz-Mitglieder angeschrieben hatte, um den alteingesessenen Blau-Weißen Dauerkarten und Mitgliedschaften des neuen „Großklubs“ anzudrehen. Das sprichwörtliche „Götz-Zitat“ für diese Dame konnte damals noch unter der Kategorie Höflichkeitsfloskel eingereiht werden.

Wenn Blau-Weiß antanzte, platzten sämtliche Plätze aus den Nähten. Hier in St. Florian bei Linz im Juni 2000. Foto: Johann Schornsteiner

Wenn Blau-Weiß antanzte, platzten sämtliche Plätze aus allen Nähten. Hier in St. Florian bei Linz im Juni 2000. Foto: Johann Schornsteiner

Während also im Oberhaus der frisch aus dem Boden gestampfte Fusionsgroßklub aus Linz beim FK Austria Wien am 9. Juli 1997 sang- und klanglos mit 0 : 3 gleich im ersten Spiel vor die Hunde ging – „Forza Viola“ – dauerte es in der 1. OÖ-Landesliga naturgemäß länger, bis endlich die Saison angepfiffen wurde. Doch am Dienstag, 19. August 1997 war es auch bei Blau Weiß so weit, das erste Meisterschaftsspiel in der Geschichte stand an. Zuhause empfing man ASKÖ Donau Linz und der altehrwürdige Tabak-Platz, der seit 1. August 1997 Donauparkstadion hieß, platzte aus allen Nähten. 1.500 Zuschauer, so die offizielle Version, bevölkerten das Areal, und wohl ebenso viele Gratisblitzer, die außerhalb am Bahndamm oder auf der Donaulände gestanden sind. Nach dem 2 : 1-Erfolg des Emporkömmling über den „gstandenen“ Linzer Landesligisten war auch den letzten Pessimisten klar, dass dieser Verein nur eine Bereicherung für das gesamte Unterhaus sein könne. Und der FC BWL war es auch, eine Bereicherung nämlich. Die jeweiligen Kassiere und Kantineure durften sich höchst erfreut die Hände reiben, wenn der Blau-Weiß-Tross aus Linz angereist kam, denn die Anhänger waren nicht nur zahlreich und lautstark, sondern auch sehr trinkfest. Die Kasse klingelte demnach, überall und jederzeit.

Freilich gab es hin und wieder auch Beanstandungen vom OÖ-Fußballverband, wenn beispielsweise ein Schiedsrichter-Pfiff nicht unbedingt immer zwingend den Beifall der blau-weißen Anhängerschaft fand, kam es mitunter schon auch einmal vor, dass sich nach dem Schlusspfiff Fans am Rasen aufhielten und den Herren in Schwarz auf ihrem Gang in die Kabine „Geleitschutz mit Erklärungsaufwand“ gewährten. Im Großen und Ganzen blieb aber alles meist im fairen und sportlichen Rahmen und der Verein wuchs von Jahr zu Jahr ein bisserl mehr und auch die Erfolge stellten sich über kurz oder lang ein.

Der heutige ÖFB-Präsident Leo Windtner war damals, im Juni 2000, auch Präsident von Union St. Florian. In dieser seiner Eigenschaft und auch als Funktionär beim OÖ-Fußballverband gratulierte der bekennende LASK-Anhänger Blau-Weiß zum "Meister 2000". Foto: Johann Schornsteiner

Der heutige ÖFB-Präsident Leo Windtner war damals, im Juni 2000, auch Präsident von Union St. Florian. In dieser seiner Eigenschaft und auch als Funktionär beim OÖ-Fußballverband gratulierte der bekennende LASK-Anhänger Blau-Weiß zum “Meister 2000″. Foto: Johann Schornsteiner

Kontinuierlich ging es bergauf. Nach zwei Jahren in der Landesliga feierte man im dritten Bestandsjahr mit dem Titel „Meister 2000“ den Aufstieg in die Regionalliga Mitte. Dort klopfte man im zweiten Jahr bereits sehr heftig an die Tür zur Bundesliga, erhört und hereingelassen wurde aber der Kapfenberger SV, Blau-Weiß blieb „nur“ die Vize-Meisterschaft. Die Spielzeit 2002/03 blieb lange Zeit unvergessen – und auch unverdaut – denn die Linzer eilten im Frühjahr dieser Saison von Sieg zu Sieg. Am Ende hatte man 13 Punkte Vorsprung auf den TSV Hartberg und mit dem Prügelknaben aus der Bundesliga, dem BSV Bad Bleiberg, eine vermeintlich leichte Aufgabe zu meistern. Als das Relegations-Hinspiel in Villach-Lind mit 2 : 0 gewonnen wurde, schien alles angerichtet zu sein für eine Rückkehr ins Oberhaus. Zum Rückspiel in Linz kamen über 8.000 Zuschauer, die anhand des Pausenstandes von 2 : 1 für Blau-Weiß bereits im Fußball-Himmel voller Geigen verweilten. In nur einer Halbzeit jedoch vergeigte der FC BWL alles! Bleiberg kam auf, wurde unerklärlich stark, scorte 3 Treffer und schlug die Linzer in Linz mit 4 : 2. Das 4 : 4 bedeutete zwar eine Pattstellung, aber die Auswärtstorregel war entscheidend. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Bundesliga zu schubladisieren und weiter in der Regionalliga sein Glück zu versuchen.

Dort ging es mehr und mehr bergab. Es folgten die Plätze 5, 10, 12 und am Ende der Saison 2006/07 Rang 14, was den Abstieg aus der Regionalliga in die Landesliga bedeutete. Blau-Weiß war demnach just zum 10-jährigen Vereinsjubiläum wieder genau dort, wo alles angefangen hatte, in der 4. Leistungsklasse!

Auch Frenky Schinkels (Bildmitte) wurde anhand einer Autobahnraststätte dereinst im irgendwo sofort mit Beschlag belegt. Der fröhliche Holländer, von 1988 bis 1990 selbst für den SK VÖEST aktiv, ließ sich für ein Gruppenfoto nicht lange bitten. Foto: Johann Schornsteiner

Auch Frenky Schinkels (Bildmitte) wurde anhand einer Autobahnraststätte dereinst im irgendwo sofort mit Beschlag belegt. Der fröhliche Holländer, von 1988 bis 1990 selbst für den SK VÖEST aktiv, ließ sich für ein Gruppenfoto nicht lange bitten. Foto: Johann Schornsteiner

Die jedoch als Stehaufmännchen bekannten Blau-Weißen kehrten nach nur einem Jahr in der 1. OÖ-Landesliga wieder in die Regionalliga zurück. 2.100 Zuschauer feierten am 4. Juni 2008 nach einem 3 : 1-Erfolg gegen Union Mondsee den sofortigen Wiederaufstieg. Und von nun an sollte es wirklich weiter nach oben gehen. Nach einem 7. und einem 2. Platz in der Regionalliga Mitte folgte 2010/11 eine fulminante Spielzeit. Den GAK konnte man bis zum Schluss auf Distanz halten, die LASK Juniors hatten am Ende zwar einen Zähler mehr, durften aber nicht aufsteigen. Folglich spielte Blau-Weiß Relegation gegen die WSG Wattens. Das Hinspiel in Linz verlor man zwar mit 0 : 1, in Wattens stand es nach 90 Minuten ebenso 0 : 1 – aus Sicht der Heimischen. Eine Verlängerung brachte nichts ein, also fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen, und Blau-Weiß ließ sich mit 4 : 3 die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Der Jubel im Tiroler Schnürlregen der mitgereisten Anhänger war unbeschreiblich. Fusionsiert, ausradiert, ausgelöscht und ausgelacht und dennoch bewahrheitete sich nach 14 Jahren der oftmals skandierte Fan-Spruch: „Euer Alptraum wurde wahr – Wir sind wieder da!“ So wurde der FC Blau Weiß Linz in der Saison 2011/12 auch dem Rest der österreichischen Fußballfreunde wieder mehr und mehr zum Begriff, denn die zweithöchste Spielklasse zieht einfach mehr Aufmerksamkeit auf sich, denn die Regionalliga. Der 5. Rang in der Jubiläums-Saison, also ein gesicherter Mittelfeldplatz, ließ die Anhänger von einer rosigen Zukunft träumen.

Die Rückkehr in den "bezahlten Fußball". Blau-Weiß spielt wieder auf der Gugl und verbuchte beim ersten Stadt-Derby gegen den LASK im Herbst 2011 über 11.500 Besucher - in der 2. Liga! Foto: Johann Schornsteiner

Die Rückkehr in den “bezahlten Fußball”. Blau-Weiß spielt wieder auf der Gugl und verbuchte beim ersten Stadt-Derby gegen den LASK im Herbst 2011 über 11.500 Besucher – in der 2. Liga wohlgemerkt! Foto: Johann Schornsteiner

Im Jahr darauf , 2012/13, konnte Blau-Weiß – wie übrigens auch der SK VÖEST in der Saison 1978/79 – kein Kapital daraus schlagen, dass der LASK in einer Liga darunter positioniert war. Der ewige Rivale erhielt keine Lizenz und wurde kurzerhand in die Regionalliga Mitte verfrachtet. Blau-Weiß wollte nun der Platzhirsch sein, schafft es aber nicht. Die Saison ging die ganze Zeit über so holterdipolter dahin, am Ende sprang mit Platz 9 nur die Relegation heraus, die – no na – gegen den SC/ESV Parndorf natürlich auch vergeigt wurde.

Ergo – nach nur zwei Jahren in der Bundesliga zurück in Liga 3! Dort gab es zwar 2013/14 wieder ein Linzer Stadt-Derby – traurig genug, dass dies in der drittgrößten österreichischen Metropole nurmehr in der Regionalliga stattfand – beide Partien wurden allerdings verloren. Der LASK wurde Meister und stieg auf, Blau-Weiß belegte Rang 6. Im Jahr darauf stand am Schluss der 3. Tabellenplatz zu Buche und 2015/16 wurde man abermals Meister in der Regionalliga Mitte mit 10 Punkten Vorsprung auf Platz 2 und den TSV Hartberg.

Also kraxelte man wieder in die zweithöchste Spielklasse hinauf und konnte 2016/17 mit einem fulminanten Frühjahrs-Endspurt auch die Klasse halten.

Von Fans geboren, im Herzen verankert: Der Ausspruch SK VÖEST LINZ / NEVER FORGET stammt bereits aus der unrühmlichen FC Linz-Ära und ist heute aktueller denn je. Foto: Johann Schornsteiner

Von Fans geboren, im Herzen verankert: Der Ausspruch SK VÖEST LINZ / NEVER FORGET stammt bereits aus der unrühmlichen FC Linz-Ära und ist heute aktueller denn je. Foto: Johann Schornsteiner

Mit dem Abgang des nunmehrigen Ehren-Präsidenten Hermann Schellmann im Frühjahr 2017, der nach seiner 20-jährigen Präsidentschaft das Amt schweren Herzens aber doch in die Hände von Prok. Walter Niedermayr als seinen Nachfolger legte, bricht nun bei Blau-Weiß eine neue, eine andere Epoche an. Im 21. Bestandsjahr in der vierten Saison der zweithöchsten Spielklasse stehend – das kann sich für einen Verein, der finanziell nie auf Rosen gebettet war, durchaus sehen lassen. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit die Ideen und Ideale ineinander greifen, sodass das Werkel „FC Blau Weiß Linz“ weiter gedeihen kann und aufblühen wird. Die Spuren, die Hermann Schellmann und sein Team hinterlassen, sind keine kleinen und die Nachfolger werden es nicht leicht haben – dennoch kann der blau-weiße Weg über kurz oder lang nur weiterhin Zug um Zug und kontinuierlich nach oben führen. Das Fundament ist fest, der Hof bestellt. Mit Eifer und Elan kann man weiterhin Berge versetzen.

Zahlreiche Fotos über den FC BWL von einst und jetzt bitte hier:

 

www.blauweiss-linz.at

www.bundesliga.at
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